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 # Ederseerundfahrt


Eine Ausfahrt beginnt man am besten morgens, und so starte ich wegen der weitesten Anreise bereits um 8:30 Uhr ab Bestwig-Velmede. Da leider kein Nuttlarer unterwegs aufzusammeln war, brauste ich ungebremst mit meinem 55er Schlüter zum eigentlichen Startpunkt Olsberg-Elleringhausen durch das noch verschlafene Ruhrtal.
Dort angekommen, begrüßte mich aufs herzlichste Vereinskollege Peter Hartwig nebst harmanter Ehefrau, den Massey-Ferguson bereits abfahrbereit vor dem Haus parkend.
Beide hatten wir einen leichten „Durchreisekoffer“ in Form eines Anhängers an den jeweiligen Oldtimertraktoren angespannt, gefüllt mit Utensilien für jede Jahres- und Tageszeit. Nur Radio und Fernseher waren bewusst nicht dabei.
So gut ausgerüstet, führte uns die von Peter detailliert vorbereitete Route ersteinmal Richtung
Willingen. Dort angekommen erregten wir mit unseren ungewöhnlichen Gefährten und deren
sonoren Geräuschen die Aufmerksamkeit diverser Passanten, wie es uns beinah in jedem durchfahrenem Ort der Strecke erging. Man winkte uns wohlwollend mit freundlichem Lächeln zu, ja manchmal ertappte ich mich dabei, wie die Königin von England stolz den Gruß zu erwidern. Hier hat man Kultur, kennt man noch die alte Technik und nimmt sich Zeit für die Langsamkeit des Reisens. Doch manchmal hatte ich auch das Gefühl des Mitleids der am Wegesrand stehenden Leute, nach dem Motto „was rumpelt denn da so laut durchs Schlagloch“...
So ging es weiter über Usseln, Düdinghausen durchs nördliche Hessenland an Dörfern
vorbei, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Man fühlte sich in die 50er Jahre
versetzt, trotzdem waren die Ortschaften sehr gepflegt , manchmal sogar wie im Bilderbuch
herausgeputzt. Mit gemütlichen 15 bis 20 Kilometern pro Stunde tuckerten wir durch sanfte
Hügellandschaften mit kurz vor der Ernte stehenden Getreidefeldern, bei recht sonnigem Wetter.
Kurz vor dem Edersee rasteten wir auf einem Stoppelfeld, zudem sich kurz darauf auch der Bauer gesellte. So kam man ins Gespräch über alte Landwirtschaftstechnik und deren Pflege
in Form von Oldtimertreffen. Alsdann ging die Reise weiter auf der Edersee-Uferstraße, wobei wir wider erwarten nicht zum Verkehrshindernis wurden. Im Gegenteil, bei sommerlichem Treiben an und auf dem See und entsprechendem Straßenverkehr war man offenbar angenehm vom historischen Ambiente unserer Gespanne angetan, und ließ uns geduldig unserer Wege ziehen.
Kurz vor Bergheim, dem ersten Etappenziel des Tages, regnete es dann ein wenig,
wobei wir es uns bei Eis und Kaffee auf der Terrasse eines Lokals gemütlich machten.
Im selbigen Ort am Spätnachmittag angekommen, stellten man die Traktoren auf dem Dorfplatz ab, und die gute Seele der Reisetruppe, Marion Hartwig, bereitete gekonnt das Abendessen vor. Nach der Mahlzeit wurde uns ersteinmal die gute Wahl des Rastplatzes bewusst, wir lagerten direkt an der gemächlich dahinfließenden Eder, umrahmt von einer ruhigen beschaulichen Dorfidylle. So dämmerten wir bei tiefgründigen Gesprächen und entsprechendem Tageslicht der Nacht entgegen.
Diese am nächsten Tag um 9 Uhr morgens beendend, erwartete uns ein sättigendes Frühstück
auf der hartwigschen Terrasse, dem Planwagen derselben, mit rustikalem Komfort.
So gestärkt bereitete wir die Weiterfahrt vor, als unerwartet ein älterer Herr aus Bergheim
auf uns zukam, und ersteinmal sehen wollte, wer hier eigentlich auf dem Platz wohnt!
Im Gesprächsverlauf stellte sich heraus, das er ebenfalls ein Oldtimerfan war und Porsche-
Diesel sein eigen nennen konnte. Zudem gehörte er auch dem Treckerclub Bergheim an und lud zu dessen Treffen Mitte September ein.
Ja, so lernt man auf Reisen viele Hobbykollegen und deren Vereine kennen und kann Kontakte knüpfen.
Nach dem wir Bergheim verlassen hatten, zog es uns im weiteren Reiseverlauf durch den Nationalpark Kellerwald, auf schmalen Straßen mit vielen Windungen und seltenen Ortschaften, in Richtung Frankenau verlaufend. Das liegt auf einer Hochebene und von hier aus ging es viele Kilometer bergab auf Frankenberg zu, welches wir aber links liegen gelassen
hatten, um ins Lichtenfelser Land zu gelangen. Eine weite, leicht hügelige von Landwirtschaft geprägte Gegend. In der Ortschaft Münden, sah man bereits wieder Straßenschilder auf Medebach hinweisend, deren Empfehlung wir auch folgten, da das Wetter wechselhafter wurde. In Medebach ankommend, stärkten wir uns bei italienischer Kost für die letzten Fahrtkilometer. Den Küstelberger Schlossberg souverän erklommen, entschieden wir uns für die idyllischere Strecke über Silbach und Siedlinghausen der Heimat entgegenzufahren.
Die Traktoren hielten klaglos trotz ihres hohen Alters pannenfrei durch, was man auch von der Besatzung sagen konnte. Es bestand Einigkeit darüber, diese Tour im nächsten Jahr in abgewandelter Form nocheinmal zu wiederholen, ein unvergessliches Erlebnis!

Bernhard Schmidt



Zuletzt bearbeitet am 01. August 2007

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